Nachdem der Rhein im Sommer 2026 wegen anhaltender Hitze und ausbleibenden Regens vollständig ausgetrocknet ist, haben findige Kölner das leere Flussbett für sich entdeckt. Statt sich wie bisher auf der Rheinuferstraße in den täglichen Stau einzureihen, fahren sie einfach unten herum.
Was zunächst mit einigen Geländewagen begann, hat sich inzwischen zu einer beliebten Ausweichstrecke entwickelt. Morgens rollt eine stattliche Kolonne aus PKW und Lieferwagen durchs Rheinbett. Die ersten Navigationsgeräte sollen bereits die Ansage „Dem Flusslauf für drei Kilometer folgen“ kennen.
Die Stadt Köln tolerierte die neue Verkehrsführung zunächst. Am Übergang ins Rheinbett stellte sie vorsorglich ein Schild auf: „Befahren des Rheins auf eigene Gefahr.“
Ganz unbegründet ist die Warnung nicht. Erst vor wenigen Tagen tauchte im trockenen Flussbett eine scharfe Granate aus dem Zweiten Weltkrieg auf.
Gelegentlich müssen Autofahrer allerdings abbremsen, weil eine Kamelkarawane gemächlich die Fahrbahn kreuzt. Die Tiere stammen aus dem Cologne Zoo und gelten als hervorragend an das neue Kölner Mikroklima angepasst. Da der Zoo nach eigenen Angaben über mehr Kamele verfügt, als er derzeit benötigt, wird geprüft, einige Tiere dauerhaft im ehemaligen Rheinbett anzusiedeln.
Doch Köln wäre nicht Köln, wenn man sich mit einem Rhein ohne Wasser einfach abfinden würde.
Eine Bürgerinitiative namens „Volles Rohr für den Rhein“ hat deshalb beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. An einem Samstag im Juli 2026 versammeln sich Hunderte Freiwillige am Rheinufer – überwiegend Männer mit bemerkenswertem Optimismus.
Ausgerüstet sind sie mit Gartenschläuchen, Wasserschläuchen, Hochdruckreinigern und allem, was sich irgendwie an einen Wasserhahn anschließen lässt.
„Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, ist der Rhein bis Weihnachten wieder voll“, erklärt der Vorsitzende Willi Frings und richtet entschlossen seinen Gartenschlauch auf die ehemalige Flussmitte.
Ein Teilnehmer ist besonders gut vorbereitet. Er hat eine leistungsstarke Gartenpumpe mitgebracht.
Auf die Frage, woher das Wasser aus der Pumpe komme, schaut er etwas irritiert.
„Aus der Leitung natürlich.“
Dann denkt er kurz nach.
„Das muss doch sowieso irgendwann wieder in den Rhein rein.“
Die Aktion zeigt erste Erfolge. Bereits am Nachmittag bildet sich nahe der Hohenzollernbrücke eine größere Pfütze. Zwei Kinder ziehen vorsorglich ihre Gummistiefel an.
Die Lokalzeitung berichtet am folgenden Morgen von einem „kaum messbaren Wasseranstieg im Millimeterbereich“.
Die Bürgerinitiative spricht dagegen von einem „historischen Wendepunkt der europäischen Wasserwirtschaft“ und fordert die Stadt auf, zusätzliche Hydranten freizugeben. Sollte sich jeder Kölner Haushalt beteiligen, hält Willi Frings sogar eine Wiederaufnahme der Rheinschifffahrt für realistisch.
Die Stadtverwaltung prüft den Vorschlag.
Man müsse allerdings zunächst klären, ob für das Befüllen eines Bundeswasserwegs mit Gartenschläuchen eine Genehmigung erforderlich sei.
Mitten auf der Hohenzollernbrücke steht ein alter Kölner, blickt hinunter auf Autos, Kamele und die unermüdlichen Männer mit ihren Gartenschläuchen.
Eine Weile sagt er nichts.
Dann murmelt er:
„Et hätt noch emmer jot jejange … aber vielleicht hätten se doch ’nen dickeren Schlauch nehmen sollen.“
Fotos generiert von: www.flux1.ai (KI-gestützter Bildgenerator, entwickelt von Black Forest Labs, einem Start-up mit Sitz in Freiburg im Breisgau, Deutschland. !!!)